Holy Sh...äää...Day!
Als wir den Protagonisten das letzte Mal verliessen machte er sich auf den Weg zur Rede (die sich später eigentlich eher als Gottesdienst herausstellen sollte - "Commemoration Service" halt...) von Harry Belafonte (den scheinbar niemand kennt - C'mon, "Mathilda"! King of Calypso!). Dies fand statt weil morgen der Martin Luther King Feiertag ist. Belafonte war scheinbar einer seiner Mitstreiter und ist der Uni zu Dank verpflichtet, weil man ihm bei der Bewältigung seines Krebsleidens zur Seite stand.
Zusammen mit Chad war man beinahe da, als plötzlich ohrenbetäubendes weibliches Geschrei erklang. Und dann DIESER Anblick! Hunderte von (wahrscheinlich undergrads) weiblichen Studentinnen in verschiedenfarbigen Shörts gekleidet oder sonstwie unterscheidbar zogen umher. Scheinbar war da irgendein Event der Sororities (Schwesternschaften - quasi weibliche Studentenverbindung). Der gute Chad hat nun einen Schock für's Leben - das sei zwar schon ganz nett, aber gänzlich unvorbereitet da hinein zu geraten sei das ziemlich krass. Wieder einmal nicht ganz Unrecht.
Jedenfalls betrat ich dann nach dem Lunch bei Subway die sowohl von innen wie aussen imposante Chapel. Man händigte mir dann eine Kerze und ein Programm aus und teilte mir mit, es habe nur noch Stehplätze. Jänusode. Da stand ich nun also inmitten sehr vieler Afro-Americans (mein Favorit der Gangsta mit dem an Warner Brothers angelehnten Pulli "If you see da Police Warn a Brotha") an der Wand und harrte dem, was da noch so kommen sollte. Zuerst der Einmarsch der Gladiatoren: angeführt von trommelnden Herren und tanzend singenden Damen in wallenden traditionallen afrikanischen Gewändern (eigentlich fast wie Florian am Monitor-Weihnachtessen...) trotteten diverse Damen und Herren nach vorne und nahmen im - wie sagt man dem schon wieder? Halt dort hinter der Kanzel! - Platz. Nachem eine Dame noch kurz ihr Stimmorgan zum Klingen gebracht hatte richtete der "Dean of Chapel" einige Worte an die Gemeinde. Als nächstes folgten dann diverse Speaker (Rektor, Bürgermeister), die sich vor dem Gast vor Ehrfurcht im Staub wälzten, wobei die diversen Studentenvertreter v.a. zeigen wollten, dass sie Leute zitieren können und die "Black Students Union" Member eher auf der persönlichen "Katharina" Ebene zu punkten versuchten. Scheinbar war Duke eine der ersten Unis, zumal im Süden, welche schwarze Studenten zuliess und mit der Medizin-Fakultät auch bei der Kathrina-Bewältigung ziemlich aktiv. Der (auch afro-amerikanische) Bürgermeister überreichte Belafonte gar den Schlüssel der Stadt.
Während all dieser Arschlecker-Grussworte kam ein freundlicher junger Mann: "Please follow the lady, we have a seat for you." Sweet, denn langsam war's nicht mehr so angenehm. Ich wusste allerdings nicht, dass diese Plätze im runden Bereich hinter der Kanzel quasi inmitten des Gospelchors und der Speaker sein würden. Wenn ihr also auf irgendeinem Foto hinter Belafonte (der so ca. 3m von mir weg war) einen leicht irritierten Weissen seht dann bin das wirklich ich - ich sah denn halt einfach immer den Hinterkopf des jeweils schwatzenden.
Schliesslich kam dann der Auftritt des schon knapp 80jährigen "Messias", welcher mit einer ziemlich imposanten Standing Ovation begrüsst wurde (da bin ich aber erschrocken - als ich stand waren wohl alle schon wieder unten). In seiner Rede erzählte er dann die eine oder andere Anekdote aus seinem und MLK's Leben und übte sich im eifrigen Name Dropping. Die "Conservative Students Union" hatte sich ja ob der Einladung dieses "kommunistischen Extremlinken" empört gezeigt und dies nicht ganz zu Unrecht. So schaffte er es dann immer wieder mehr oder weniger subtil über die aktuelle Regierung ("oppressors") herzuziehen, und diese für den Irak-Krieg und die Kathrina-Versäumnisee zu brandmarken, was mit teilweise frenetischem Applaus (besonders des asiatischen Couples vor mir. Huh?) quittiert wurde, während mir schien der beinahe neben mir sitzende Rektor habe sich in seiner Haut auch schon wohler gefühlt. Dabei schaffte Harry es, nie direkt zu sagen Bush sei ein Terrorist, sondern einfach zu fragen, wo denn da der Unterschied zu 9/11 sei und generell vom Terror zu sprechen. Naja, man kann's auch übertreiben und seine Schilderung des Besuchs bei Hugo Chavez war dann ziemlich naiv. Trotzdem eine imposante Persönlichkeit.
Zum Abschluss (nach knapp 3h Reden...) wurd's dann noch besinnlich. Jeder hatte ein Kerze bekommen, und Vertreter diverser Religionen (Juden, Buddhisten etc.) entzündeten nun ihr Exemplar daran und machten sich nach einem kurzen Statement daran, auch den Rest der Kirche "anzustecken". Nun erhob man sich und die ganze Kirche sang We Shall Overcome. Ich dann auch, nachdem sich die Damen zu meiner linken und rechten bei der Suche im Buch behilflich zeigten und mir eine Kerze organisierten, dabei hatte ich doch eh eine im Hosensack und hätte halt einfach gut ohne leben können. In diesem Moment hatte meine Position nun doch seinen Vorteil, denn mir bot sich ein optisch wie akkustisch eindrückliches Schauspiel einer Masse, welche bekehrt, bekerzt und beherzt sang. Dazu erwachte auch der mir gegenüber sitzende Gospel Chor aus seiner Lethargie. Diese war vorher interessant zu beachten - kein Klischee kommt an diesen meist relativ beleibten Haufen von wabenden blauen Gewändern heran, welcher oft ziemlich gelangweilt den Worten lauschte, oft mit Steve-Urkel-liken-Brillen und wohl mit den wechselnden Gedanken Chips-Oprah-Oreos-Jerry Springer etc.
War jedenfalls ziemlich interessant gleichzeitig das "andere Amerika", die Kurzversion eines Gottesdienstes, guten Gospel in "authentischer Umgebung" und die ziemlich imposante und beinahe mitreisssende Verbundenheit der Leute untereinander zu erleben. Wo geht's zur nächsten Freikirche?


1 Comments:
neeeeeeeeeiiiiiii!!!! hesch en nit gfrogt, worum är so blödi täggscht singt?? ich mein "pass the chicken to the left hand side" macht jetzt eifach wirklig kei sinn!!
7:22 AM
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