Miami aka "Nip/Tuck my Ride"
"Babbe"/"Papa Bear" verbrachte 5 Tage in Miami, auf dass die Fraktion, welche ständig auf einen Besuch am Spring Break drängelte endlich Ruhe geben möge und man selbst sich von der Uni erholen konnte während diese eigentlich erst/schon wieder anfing. Im Stile einer Weisheit (Frisch?) über ausländische Mitbürger lässt sich im Vorneherein festhalten: Sie erwarteten primitive Blödelveranstaltungen und kamen an sehr edle Parties. Doch statt gleich zu Beginn zu resümieren wollen wir die Tage einmal mehr chronologisch Revue passieren lassen. So muss man sich schliesslich weniger strukturelle Gedanken machen (wobei das einem wahren MASTER seines Faches ja nicht schwer fallen sollte) und erinnert sich vielleicht gar etwas besser.
Mittwoch: Um 3.30 aus dem Schlaf gerissen um den Flug um 6 auch ja nicht zu verpassen läuft fortan alles glatt. Die hässliche gelbe Tasche kommt gerade aufs Band, als ich in Miami zum Baggage Claim komme. Weil die werten Schlafmützen M. und T. (welche bereits dort sind, da sie zuvor noch einen Abstecher nach NY machten) zu faul sind um mich mit dem Mietwagen (PT Cruiser) bereits dergestalt früh abzuholen, steigt man ins Taxi und stellt fest, dass die Unterkunft wirklich nicht im Zentrum zu sein scheint. Zone 5 mit Flat Fee 52 Dollar ist eigentlich as far away as it gets. Dort angekommen kann man aber eigentlich zufrieden sein: abgesehen von den verschlafenen Gesichtern im Zimmer ist das Hotel zwar eher auf Familien ausgerichtet, aber sonst zumindest sehr sauber und komfortabel. Zudem befindet man sich ja nicht auf Hochzeitsreise und hat auch nicht vor, hier allzu viel Zeit zu verbringen. Trotzdem ist die Ausstattung mit 2 Doppelbetten und einem dazwischen geschobenen Klappbett nicht gerade üppig - ergibt dann in der Summe eine grosse Liegewiese und mich schnarchenderweise zwischen den sich eifrig drehenden Fronten.
Wie man dann erfährt findet gerade die Music Conference statt, weshalb das Nachtleben so richtig boomt und alles was im DJing Rang und Namen hat anwesend ist. Wie meinte doch die süsse Servierdüse beim Italiener: "It's like Christmas!!!"
Nachdem sich die bereits Eingecheckten verpflegt hatten ging's auch schon an den Strand. Vom Sunny Isles Beach zum South Beach hat man by Car so ca. 30 Minuten, aber mit offenem Fenster und mantafahrermässig den Ellbogen 'raus wippt es sich zu krassem Gangstarap ganz gut und man spürt den Miami-Vibe - oder meint es zumindest. So holt man sich trotz pflichtbewusstem Einreiben gleich am ersten Tag einen Sonnenbrand, welcher es sich vor allem in den Kniekehlen gemütlich einrichtet.
Im Verlauf des Abends holt man dann auch noch den unermüdlichen Drängeler vom Flughhafen ab, welcher offensichtlich einen schönen Flug mit der "netten alten Dame" hatte. Dann geht's auch gleich in den Ausgang und es etabliert sich eine Art Standardprozedere: Zwischen 9 und 10 besteigt man das Auto (wobei das Nicht-Trinken bei den Preisen eigentlich überhaupt kein Problem ist) und geht am Ocean Drive etwas essen - vom Italiener über Paella bis zu Burritos (entdüschenderwyys het numme der M. e Quesadilla gha...) gibt's alles. Danach ist man meist schon so spät daran, dass man auf den Bar-Zwischenhalt verzichtet um noch in die Clubs Einlass zu finden. An jenem Abend weiss der Club für 20 Bucks Eintritt trotz zu lauter Musik so zu begeistern, dass Jetlag und sonstige Ermüdungserscheinungen schnell vergessen sind.
Generell beobachtet man schon an diesem Tag die enorme Anzahl schöner Menschen, auch wenn das teilweise sehr künstlich wirkt (nicht nur das Gaffen, sondern auch die Begafften). Neben den Schönheitschirurgen scheint es aber hier auch noch anderen Menschen finanziell gut zu gehen, wenn man all die schönen und/oder aufgemotzten Karren betrachtet, welche Barfi-mässig die richtigen Avenues entlang posieren bzw. sich an Tankstellen zusammenrotten bevor die Polizei dem Ganzen ein relativ spektakuläres Ende bereitet. Es scheint jedoch ziemlich abwegig, dass alle im Rap-Business ihr Brot verdienen, die mit Botox geglätette Dame von Welt will ja schliesslich auch mit Muntermachern versorgt werden.
Donnerstag: Wir wollen uns auf den Abend konzentrieren - schliesslich weiss ich nicht mehr ob's "heute" oder erst Freitags wetterbedingt ins Einkaufszentrum ging, wobei der normalerweise äussert männliche Schreiber für einmal (was ja genug selten ist) seinen Mitstreitern bezüglich "Schwuchtelness" mind. in nichts nachstand - sofern man exzessiven Poloeinkauf bei GAP dergestalt bezeichnen
Item, abends ist man sich bezüglich Clubwahl unschlüssig. Die Schlange vor dem "Mansion" ist zu lange, also geht man in die Crobar, wo zwar auch Leute anstehen (denn GAR NIEMANDEN will man ja dort auch nicht sehen...), aber nicht gar so viele. Man bezahlt dann horrende 65 Dollar für den Einlass in die heiligen Hallen. Hier gilt nun offensichtlich wirklich: "God is a DJ" - weshalb sonst sollte man ihn hell beleuchtet auf ein Podium stellen. Die Jünger machen denn auch fleissig mit, wenden sich alle dem "Konzertanten" zu und orientieren sich generell an dessen Moves, statt einfach zu tanzen. Der werte D. ist wohl jetzt noch wütend auf diese tumbe Menge, aber generell ist's trotzdem eine gute Party - wobei die eigentliche Pointe schon ist, dass der nicht ganz unbekannte Dave von Tilllate auch am Start ist. Das sieht dann so aus wie nebenan (man beachte Obelix links - wie geht das mit den schlank machenden Streifen schon wieder?)
Freitag: Wohl der unbestritten beste Ausgang. Um auch Einlass zu finden geht's relativ früh zur langen Schlange vor dem Mansion. Die Warterei, das Bangen ob auch alle hinein gelassen werden und die 50 Dollar werden sich lohnen: Der Club ist der absolute Oberhammer, wirklich aufgebaut wie eine "Mansion" und die Meute weiss zu feiern. V.a. der erste DJ weiss auch die weniger so auf dem Hip Hop Trip Seienden mit geschickten Remixes (remember Wonderwall!!) bzw. Überschneidungen zu begeistern. Wie meinte einer doch so schön: "Y ha aifach das Grinse nümm uss em Gsicht kriegt!" (*grins*) Nachem ich gerade an Venus Williams vorbeigeschlichen bin nimmt einer ein Mikro (war das dann eigentlich quasi der MC?) und verkündet regelmässig, wer denn so alles anwesend sei: P.Diddy, Timbaland, Pharell Williams etc. Who wants to touch me, I'm a VIP!!! Bis in die frühen Morgenstunden feiert man dann durch und dies nahezu ohne Unterbruch in Form einer Pause, geschweige denn sitztechnischer Aktivitäten. Wir wollen hier nicht näher diskutieren, ob sich für eine Person denn das Taxi für die paar Minuten länger bleiben wirklich gelohnt haben. Aso wenn scho denn scho, aber ych bis jo nit gsii.
Samstag: Kein Wunder jedenfalls, dass man ziemlich gerädert war und deshalb nach dem Zmorge eine Runde schlief. Man war nicht in der Lage gewesen, im Voraus Tickets für das Ultra Music Festival (Featuring Killers (!!!!!!!), Hot Hot Heat (!!), Prodigy etc.) zu besorgen, also schaut man gegen 3 (das Ding sollte von 11am till midnight gehen) einmal in Downtown vorbei, um die Situation zu begutachten. Die Parksituation ist prekär und obwohl man dann doch noch einen Spot findet ist die Menschenschlange zu abschreckend. Man entscheidet sich stattdessen, etwas essen zu gehen (ein als Pizza getarntes Fondue im Pizza Hut). Dies sollte sich später für die Initianten rächen, welche gar nicht brav viel stehen lassen beim Mexikaner. Der D. und der Babbe hänns ych jo gsait! Emoll folge!!! Man läuft dann noch viel auf der Avenue, um das sich bietende Schauspiel von aufgepimpten Wägen und aufgemotzten Damen nicht zu verpassen. Gemäss unserem äusserst trendigen Szeneführer - okay, eigentlich war's nur eine Seite im Magazin "Young" (what the f*ck is that?) - solle man in der Townhall auf's Dach gehen, dort habe es eine Bar. Dort drin angekommen ist kaum etwas angeschrieben, dennoch findet man den Weg auf's Rooftop, wo man von 3 Gorillas in Empfang genommen wird, welche leicht belustigt meinen, heute gebe es bei der "Kälte" keine Party. Dennoch darf M. kurz aufs Wasserbett liegen - Ziel erreicht. Später stellt sich die Clubfrage und nach langem Debattieren und Lamentieren ob man denn den Eindruck vom Freitag wirklich ruinieren soll, reiht man sich wieder vor dem Mansion ein. Doch das Einzige was hier vorwärts geht, sind Typen welche die Schlange entnervt verlassen und die Damen, welche immer von den Clubverantwortlichen gleich herein gelassen werden. Die Frauenquote von Mme Micheline ist hier gar nix dagegen, aber auch wesentlich unsympathischer. Man will sich dies dann auch nicht länger antun, wobei sowohl die Variante "Bier kaufen und TV gucken" wie auch "Fuudischubbe" (hier an meiner Weigerung - y hätt wirgligg im Auti gwartet iir Bacheli...) scheitern und man so nach Mitternacht übermüdet ins Bett sinkt.
Sonntag: Nach einem schönen Tag am Strand und Souvenir-Shopping meinerseits (ohne einen gewünschten Panama-mässigen Hut in blau zu finden) geht's auch schon wieder zum Flughafen. Dort trifft man dann sogar einen Mit-Austausch-Studenten, welcher auf dem gleichen Flug ist und sogar den Rodscher in Key Biscayne Tennis spielen sah nachdem er (also der Nils, nicht der Federer) im Hotel neben Hewitt das Morgenessen zu sich genommen hatte.
Fazit: Der Trip hatte eigentlich wenig mit aus Funk und Fernsehen bekanntem Spring Break Urlaub zu tun (zumal Daytona 2 Stunden weg war und wer will sich die Fahrt in der Nacht schon antun?), was mir aber nur recht war. Die Mischung aus Chillen am Strand, geilen Clubs und einer absoluten Überdosis an amerikanischer Oberflächlickeit, Schein statt Sein, appearance is everything und Dekadenz stimmte absolut. Auch wenn es einige Deutsche haben mag ist das Risiko relativ klein, verstanden zu werden, was eigentlich kommunikationstechnisch viele Vorteile hat wenn es z.B. um "Bewertungen" geht. Allerdings gilt es zu beachten, dass gewisse Ausdrücke nun einmal universell sind - wie etwa "Whoooooaaaaaa!!!!", "Jeeeeeesus!!!!" und besonders "Dasch doch en easy score". Ausserdem mag man sich ja über die Unzulänglichkeiten des Riechorgans der Dame am Nebentisch unterhalten, aber wenn man sich dann selber ans Selbiges greift um die wahrscheinlich durchzuführenden Korrekturen zu illustrieren wird's dann schon etwas heikel... Zudem wissen wir jetzt auch, wie äääääääusserst effizient es ist, jeweils die Rechnung mit 4 Kreditkarten zu begleichen. Hm. Rundensystem anyone?
Item: We'll be back - auf der Rückreise von unseren Skiferien in Colorado...
Rückblende: Die Updates fielen etwas spärlicher aus, weil ich immer fauler werde und es auch nicht so viel zu erzählen gab. Die Zeit bis zum Studienanfang war langweilig, dafür hier einige Highlights von "Tülli im universitären Rampenlicht":
Information Management, Stunde 1. Die mit sehr trockenem Humor ohne eine Miene zu verziehende Professorin kommt bei Ihren abstrusen Ausführungen über die "Gründer" ihres Faches auf Blaise Pascal zu sprechen. Wenn sie sich recht entsinne, habe es doch auch einen der so heisse in der Klasse, no? Ach Menno, aber na gut. Winke Winke. "He, bissu nach dem benannt?" - "Well, I don't really think so..." (leichtes Gelächter - warum auch immer) - "Ah okay, I understand, 'cause he was a really brillant guy" (STARKES Gelächter - WARUM AUCH IMMER???!!!)
Power and Politics, Stunde 3. Tülli nach Miami ziemlich übermüdet schnappt sich morgens halt einfach irgend einen Pulli, welcher jetzt halt einmal ein Duke-Teil ist. Der Prof fragt in die Runde, wer denn noch 4 Teams im Bracket für die Basketball-Halbfinale habe. Hier wetten die meisten zumindest im Freundeskreise den Turnierausgang und im Halbfinale sind hauptsächlich Aussenseiter (Duke verlor bereits in den "Sweet Sixteen"), also hat kaum jemand etwas recht. Dann kommt's - auf mich zeigend: "Ich find's übrigens ganz toll, dass heute dennoch jemand noch einen Duke-Pulli an hat und zu seinem Team steht! Studien zeigen nämlich, dass derartiges nach Niederlagen eines Teams massiv zurück geht!" Öööm - merci. Tülli = definitely no gloryhunter-Modefan.
Übrigens noch ein Sörftipp für Freunde der ungepflegten Unterhaltung: Michel's Blog unter gedankenklo.blogspot.com. Und eine Story die alles hat: Sex&Crime&Racism an einer privaten Eliteuni! Und dann noch von Sportlern! Huch!









